„Ich sah in deine Augen und verstand.“ Kennst du das? Kennst du das, wenn die Kommunikation zwischen zwei Menschen über die Worte hinauswächst, die sie sprechen? In diesen Momenten der Verwunderung stelle ich fest, dass kein Telefon der Welt, selbst mit einer Webcam, wiedergeben kann, was da passiert. Plötzlich reden nicht mehr Münder, sondern Herzen; und weil die Masken fallen, werden Blumen, die sich nur zufällig in der Nähe befinden, zu Botschafter; Gerüche der geliebten Dönerbude verlieren ihren Reiz; unauffällige, weil hässliche Plattenbauten hinterlassen ein Bild, das sich einprägt … die Welt scheint eine andere zu sein. Weil sich die Realität geändert hat?

Und ich behaupte: diese Nähe ist auch mit Gott möglich. Natürlich, Gott anfassbar – Jesus, der Mensch – ist nicht mehr da, und trotzdem sage ich, dass Gott anfassbar ist. Irgend ein „sechster Sinn“ macht es mir möglich, nicht nur über Gott zu wissen und an ihn zu glauben, sondern mit ihm zu leben, zu er-leben. Jeden Tag?

Man könnte es Freundschaft nennen, vielleicht sogar Verliebtheit. Auf jeden Fall etwas Wunderliches. So sehr, dass es erzählt werden muss?

Es ist das Thema meines Blogs. Ich male die unsichtbare Welt zwischen mir und Gott, zwischen Trauer und Wahrheit, zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Angst und Liebe … Ich höre auf den Nach-Hall von Büchern, Erlebnissen, Worten, Situationen … um zu lernen, wie ich nachhaltig leben kann. Schreibe ich also für mich selbst? Die jüdische Kultur sagt: bevor du erwarten kannst, gute Antworten zu finden, musst du lernen, gute Fragen zu stellen. Und ich füge hinzu, vielleicht gibt es sie nicht, die klaren, eindeutigen Antworten. Aber wer weiß? Das ist jedenfalls kein Grund, die Fahndung nach ihnen aufzugeben. Ich würde Wahrheit vergleichen mit einem Reh, dass Spuren hinterlässt, erahnbare, aber unmissverständliche Spuren. Und mir wird es wohl nicht möglich sein, dieses Reh zu zähmen … und dennoch laufe ich ihm hinterher. Was soll ich sonst tun?

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