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Die Schöpfung (neu erzählt)

Manche Texte müssen wir in einem neuen Gewand hören, damit wir kapieren, wie revolutionär sie ursprünglich waren. Ich denke, das gilt auch für die Schöpfungsgeschichte: sie ist fundamental für das jüdisch-christliches Weltbild, und doch haben wir uns schon so an ihren Klang gewöhnt …

Im Anfang schuf Gott die sichtbare und unsichtbare Welt:

Die Erde war chaotisch und einförmig, und durch und durch dunkel, und überall Geist Gottes.
Und Gott sprach: „Licht, werde!“ Und es geschah. Und Gott trennte das Licht von der Finsternis, das Oberhalb und Unterhalb des Horizontes, das Trockene von dem Wasser.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Pflanzen, werdet!“ Und es geschah. Und er stattete sie mit der Fähigkeit aus, sich selbst zu vermehren.
Und Gott sprach: „Zeit, werde!“ Und es geschah. Und er setzte Sterne und Mond in ihre Umlaufbahnen, damit die Menschen in Raum und Zeit navigieren können.
Und Gott sprach: „Tiere, werdet!“ Und es geschah. Und er entwarf große und kleine Tiere, Wassertiere und Lufttiere, und Landtiere, und er gab ihnen den Auftrag, sich zu vermehren.
Und Gott betrachtete sein Werk: gut.

Und Gott sprach: „Wir wollen Menschen machen, die uns repräsentieren! Ihnen wollen wir unsere Macht delegieren über die Tiere und die ganze Erde.“ Und so machte Gott es. Er schuf den Menschen männlich und weiblich, als Mann und Frau, als Abbild seines Wesens. Und Gott sprach: „Ihr, Mann und Frau, seid meine Auserwählten. Vermehret euch, und herrscht über die ganze Erde in meinem Auftrag. Für eure Speise habe ich Kräuter und Obst gemacht, für die Tiere Gras.“
Und Gott betrachtete sein Werk: sehr gut.

Fertig. Es ist vollbracht. Auf diese Weise hat Gott die sichtbare und unsichtbare Welt fertiggestellt.
Und Gott machte eine heilige Pause. Darum soll jeder siebte Tag eine heilige Pause sein: denn sechs Tage lang schuf Gott, aber am siebten ruhte er aus.

(1. Mose 1-2,2)

Wie der Sündenfall nicht endete: 6 Alternativen

„Sie nahm von den Früchten und aß. Dann gab sie auch ihrem Mann davon und er aß ebenso.“

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1) Und Gott sprach nicht:

„Soso, ihr habt also von der Frucht gegessen? Hm, macht nichts, ich kümmmer mich drum – aber macht das bitte nicht nochmal, ja?“

2) Und Gott sprach nicht:

„Wie, Ihr wollt euch vor mir verstecken? Dass ich nicht lache … Abstreiten hilft nix. Ihr habt von der Frucht gegessen, also werdet ihr sterben. Alles hat seine Konsequenzen. … Mitleid? Ihr seid witzig. Ich kann doch nicht die Gesetze des Universums aufheben, nur für euch …“

3) Und Gott sprach nicht:

„Sie haben das Gesetz übertreten und werden mit sofortiger Wirkung des Gartens verwiesen. Verschwinden Sie, ich will Sie nicht mehr sehen.“

4) Und Gott sprach nicht:

„WAAS? Seid ihr verrückt? Ich hatte euch doch gesagt, das ist VERBOTEN! Ich glaub’s nicht … Na dann, wenn ihr ohne mich leben wollt, viel Spaß! Und nur zur Info: ihr werdet mich auf Knien anbetteln, dass ich euch wieder in den Garten reinlasse … is‘ nicht.“

5) Und Gott sprach nicht:

„Oh nein, jetzt haben sie den Trick herausgefunden … Ich hab sie doch extra ein bisschen moralisch kurzsichtig gemacht, damit sie mir nicht den Platz streitig machen können. Ich weiß, was ich mache: ich baller‘ sie so mit Flüchen zu, dass sie keine Zeit haben, ihre Herrschaft aufzubauen.“

6) Und Gott sprach nicht:

„Meine Schätzelchen, das könnt ihr mir doch nicht antun! Dabei hab ich euch doch extra gewarnt, warum hört ihr denn nicht auf mich? Ihr habt es verbockt und könnt es nicht wiedergutmachen … was mach ich denn jetzt??“

Was Gott wirklich sprach, könnt ihr hier nachlesen.

Das Bild ist von Olga Filonenko (CC BY-SA 2.0).


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