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Gelassenheit …

Gelassenheit

Wie wahr. Sogar doppeldeutig wahr.

  1. Zu viel Projektmanagement (oder Selbstmanagement) erzeugt nur noch mehr Stress. Um mehr Gelassenheit zu leben, müssen wir den Mut haben, Dinge einfach sein zu lassen. Andy Stanley nennt das „breathing room“: Beim Planen schon Raum zum Atmen lassen. Nicht 100% der Zeit, des Geldes, etc. verplanen, sondern Platz lassen für das Unvorhergesehene.
  2. Die Dinge immer auf sich und seine Erwartungen hinbiegen zu müssen, erzeugt ebenfalls Stress. Um mehr Gelassenheit, müssen wir den Mut haben, die Dinge so sein zu lassen, wie sie sind. Viele Dinge können wir erst verändern, wenn wir ein grundsätzliches Ja zu ihnen haben – auch in uns.

Entspannung ist mehr als eine Technik. Wenn ich vertraue, dass Gott mein Leben in meiner Hand hat, selbst das, was ich ätzend finde – kann ich mich fallen lassen. Und dann Schritt für Schritt weiter an dem arbeiten, was Gott mir vor die Füße legt.

Photo: Von Jerry Meaden (CC BY-NC-SA)

Was ist kognitiv hochsensibel?

Ich habe den Eindruck, Hochsensibilität wird vor allem mit Empathie und der emotionalen Sensibilität verknüpft. Wenn man dieses Bild im Kopf hat, wird man die kognitiv Hochsensiblen übersehen – ihre Domaine, die sie tief und intensiv verarbeitet, sind nicht eigene und fremde Gefühle, sondern Ideen und Konzepte. (M)ein Beispiel:

3593950194_aa1de8d67c_zIch bin ein Denker.
(Ich bin auch ein Fühler, aber darum geht es jetzt nicht.)

Ich will alles durch-denken. Das ganze System, in all seiner Komplexität. Denn die Welt ist komplex. Und es ist doch ganz logisch: wenn ich an einer Stelle eine Stellschraube drehe, muss ich auch woanders etwas verändern, damit es im Gleichgewicht bleibt. Mir ist es wichtig, das große Bild im Blick zu behalten: was ist meine Rolle, was ist unser gemeinsames Ziel, und wie hilft uns die Struktur, dorthin zukommen.

Man sagt mir auch, ich sei sehr selbst-reflektiert. Das stimmt wahrscheinlich, aber ich denke mir immer: ich kann doch eh nicht anders … Immer, wenn ich in einer neuen Situation war, vielleicht auch in einer überfordernden Situation, denke ich darüber nach, manchmal tagelang. Und dabei läuft vieles nicht über Logik, sondern über Intuition: ich verknüpfe unbewusst es mit vorherigen Erfahrungen, vergleiche es mit anderen Theorien und ziehe dadurch meine Schlüsse. Und darum liebe ich es, gute Romane zu lesen: dadurch kann ich Dinge mit-erleben, die sonst nie meine Lebenswelt wären.

Und wenn ich am Horizont ein stimmiges, passendes, „schönes“ System sehe – etwas, was das Leben bereichert, etwas, was Sinn-voll ist – dann motiviert mich das, alles dafür zu geben, dass dieses System eines Tages Realität werden kann. Dabei verzettele ich mich manchmal zu sehr in den Details … oder in der Planung.

Manche sind auch genervt, dass ich immer so tief nachdenke. Sie hätten gerne schnellere Entscheidungen oder einfachere Antworten. Die Herausforderung für mich ist dabei, bewusst zu entscheiden, wie viel Tiefe ich gerade angemessen halte – ob ich den Teller mit der linken oder rechten Hand spüle, kann ich inzwischen auch einfach aus dem Bauch heraus entscheiden.

Ich mag mich.

„Die kognitiven Hochsensiblen können sich in der Regel sehr in ein Thema vertiefen und es analytisch und intellektuell durchdenken. Sie können schnell Lücken im System oder in Gedankengängen erkennen, komplexe Zusammenhänge darstellen, wissenschaftliche Publikationen schreiben und gut mit dem Computer umgehen. …“

Brigitte Schorr, Hochsensibilität – Empfindsamkeit leben und verstehen. 2016. S. 21-22

Zeichnung von Dan Allisson (CC BY-NC)

Gott baut. (Sacharja 2, 5-9)

RuinsWindsorPark

Gott hat ein riesiges Herz dafür, das Zerbrochene wieder aufzubauen. In meiner Predigt (35min) über Sacharja 2,5-9 geht es darum, wie Gott das macht: er fängt klein an. In dir.

Gott ist ein Baumeister – was ist die Baustelle, die er in dir anpacken würde?

  1. Gott baut. Mitten im Chaos. (V. 5-6)
  2. Gott baut. Aber keine Stadtmauer. (V. 7-9)
  3. Gott baut. Mit dir.

MP3-Download
PDF von der Präsentation

(Bild: openclipart.org)

Dietrich Bonhoeffer: Wer bin ich?

gefaengnisDietrich Bonhoeffer schreibt im Gefängnis:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

.


„Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ (Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung)

(Photo von Laura – CC BY-NC-SA)

Sensibilität ist wie Resonanz

gitarreIch behaupte: Jeder Mensch ist irgendwo sensibel. Vielleicht unterschiedlich stark, ok, das mag sein. Aber Sensibilität an sich ist einfach menschlich. Die Frage ist, für was bist du besonders sensibel?

Es gibt ein Buch, das heißt „Zart besaitet“. Und ich dachte: was für eine schöne Metapher. Denn die Saiten (z.B.) von einer Gitarre zeigen ein Phänomen, das man „Resonanz“ nennt: Wenn zwei Seiten auf den gleichen Ton gestimmt sind, und eine Seite angeschlagen wird, schwingt die andere mit. Sie nimmt den Ton auf und verstärkt ihn.

In unserer Seele sind auch solche Saiten, die gestimmt sind auf bestimmte Dinge. Ich merke zum Beispiel, dass tiefe Gespräche in mir tagelang „nachhallen“, wie ein Echo – ich denke an einzelne Aspekte davon, sehe Zusammenhänge und verarbeite so ihren Sinn. Oder: wenn ich einen aufregenden Film geschaut habe, träume ich Nachts über ähnlich aufregende Dinge. Andere Dinge dagegen nehme ich einmal kurz wahr und kann sie dann gut ausblenden.

  • Was ist etwas, was dein Inneres zum „mitschwingen“ bringt?
  • Wann fühlt sich dieses Schwingen schön an, wann unangenehm?
  • Wozu hat Gott uns diese Fähigkeit zur Resonanz gegeben?

Die Psychologie sagt: über das, was uns wichtig ist, denken wir besonders intensiv nach. Oder anders herum: wenn wir keine positive oder negative Bewertung („Valenz“) zu einem Gedanken haben, vergessen wir ihn auch wieder ganz schnell.

  • Was ist der Wert, der hinter dem steckt, was dich besonders anspricht – was ist dir Wert-voll bzw. was willst du unbedingt vermeiden?

Wie gesagt: wahrscheinlich ist jeder Mensch in irgend einer Weise sensibel. Hochsensible haben vielleicht besonders viele solche Lebensgebiete, und nehmen das Mitschwingen stärker wahr – aber die Veranlagung zur Sensibilität ist die Gleiche.

Hochsensible Mitarbeiter in der Gemeinde

Artikel (PDF) im Magazin Offene Türen von Forum Wiedenest, Ausgabe 3/2018 (Juni 2018)

Potenzial-Entdecker, hohes Einfühlungsvermögen, engagiert und hilfsbereit, gute Wahrnehmung von geistlichen Situationen – wer möchte nicht solche Mitarbeiter? Mit diesen Worten beschrieben im März 2018 die 82 Teilnehmer einer Umfrage, welche Aspekte sie an der Zusammenarbeit mit hochsensiblen Mitarbeitern schätzen.

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Alle Befragten waren sich darin einig, dass es wichtig ist, dass Menschen, die von Hochsensibilität (auch Hochsensitivität genannt) betroffen sind, diese Thematik kennenlernen. Denn für eine gute Zusammenarbeit ist es grundlegend, dass sich alle Beteiligten ihrer besonderen Stärken und Schwächen bewusst sind. Hochsensibilität bedeutet vor allem, dass die wahrgenommenen Ideen, Gefühle und Eindrücke überdurchschnittlich tief und lange verarbeitet werden. Zum Beispiel: In einer wichtigen Gruppendiskussion werden Mitarbeiter mit dieser Veranlagung zunächst intensiv zuhören, die jeweiligen Anliegen der Personen in sich aufnehmen, das Wahrgenommene intuitiv mit anderen Erfahrungen verknüpfen und innerlich kreative Problemlösungen erarbeiten. So kann es passieren, dass sie anschließend extrem erschöpft sind, obwohl sie kein Wort gesagt haben. Oder auch, dass ihnen Stunden oder Tage später plötzlich eine Lösung einfällt. In einer erfolgreichen Zusammenarbeit können solche Mitarbeiter erfahren, dass ihre Gedanken und Empfindungen den Leitern wertvolle Informationen geben können, auch wenn ihre Vorschläge vielleicht nicht unverändert umgesetzt werden.

Wie wichtig ist es dabei, reif mit sich selbst umzugehen! Dieses Thema wurde auch von einem Umfrage-Teilnehmer genannt: „Ich finde, Hochsensibilität ist eine wundervolle Gabe Gottes, die man wie andere Gaben auch pflegen und weiterentwickeln muss …“ Am Anfang steht folgende Erfahrung: Wir brauchen die Ergänzung durch andere – und sind selbst fähig und bereit, andere zu unterstützen. Wenn Gott uns spezielle Gaben schenkt, haben wir auch die Verantwortung, herauszufinden, wie wir diese Gaben für sein Reich einsetzen können. Nur so kann Gemeinde wie ein lebendiger Körper funktionieren (1. Korinther 12). Mein Ziel für die nächsten Jahre ist es, Hochsensible in ihrem Reifungsprozess zu unterstützen, damit sie mit dieser Gabe ihrer Gemeinde dienen können.

In meiner Abschlussarbeit stelle ich die Umfrageergebnisse ausführlicher vor und gebe weitere Tipps für eine gelungene Zusammenarbeit.

Stärken (Hauptamtliche)

Antworten der Gemeinde-Mitarbeiter auf die Frage: Welche positiven Erfahrungen hast du mit hochsensiblen Mitarbeitern in deiner Gemeinde gemacht? (Mehr in der Abschlussarbeit) (vergrößern)

Heiligkeit in Kindersprache erklärt: Gott ist größer, als es in mein Kopf passt

Kennt ihr die Geschichte von Mose? Mose war ein Prinz in Ägypten. Dabei war er gar nicht Ägypter, sondern Israelit. Das war zu der Zeit, als alle Isrealiten für den Pharao arbeiten mussten.

Mose ist vom Königspalast weggelaufen und wohnt jetzt im Ausland. Da ist es ganz trocken, fast schon eine Wüste. Er hat da sein ganz normales Leben: er hat geheiratet, hat Kinder, und ist Hirte. Jeder Tag sieht gleich aus: er steht auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall, wandert mit ihnen zu einem Ort, wo es ein bisschen Gras gibt, wartet auf die Schafe … Und er überlegt: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert.“ Und die Schafe haben gefressen und er geht mit ihnen weiter zu einem Brunnen, gibt ihnen etwas zu trinken, und wartet wieder: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert. Ich weiß, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ (Manchmal haben wir auch das Gefühl: ich kenne diese Geschichten doch schon. Ich weiß das doch schon alles. Ging es euch schon mal so?) Und so wurde Mose ziemlich alt. Aber eines Tages passierte etwas ganz Besonderes:

Wieder steht er auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall und führt sie zu einer Stelle, wo es noch Gras gibt. Als er in die Ferne sieht, sieht er ein Feuer, und denkt sich nichts besonderes: vielleicht macht da jemand ein Lagerfeuer oder so. Er geht mit den Schafen weiter zu dem Brunnen, gibt ihnen zu trinken, und wartet wieder … Und wieder denkt er: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ Er erinnert sich an das Feuer und schaut nochmal in diese Richtung, und sieht: hm, das ist ja gar kein Lagerfeuer, das ist einfach ein Busch, der brennt. Naja, kann passieren, es ist ja ziemlich heiß hier, das war bestimmt die Sonne. Und er bricht auf und nimmt die Schafe mit. Aber dann fällt ihm ein: Moment, das ist ja schon ein paar Stunden her, wo ich den Busch das erste Mal gesehen habe! Und er schaut nochmal genau hin, und stellt fest: der brennt zwar, aber das Feuer wird gar nicht kleiner! Das verbrennt ja gar nicht, das ist ja komisch!

Jetzt ist er neugierig, lässt die Schafe stehen und geht zu dem Busch. Als er schon fast da ist, hört er plötzlich eine Stimme die aus dem Busch kommt: „Moses, Moses!“ – (Stirnrunzeln) „Ja, hier bin ich?“ – „Moses, geh keinen Schritt weiter, und zieh deine Schuhe aus! Denn der Ort, auf dem du stehst, ist ein heiliger Ort, ein Ort, der zu mir gehört!“ Der Busch redet?! Er zieht seine Schuhe aus. Und dann hört er etwas ganz Krasses: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“ Das ist Gott! So hat er sich Gott aber nicht vorgestellt! Und dieser Tag hat sein Leben ziemlich verändert.

Und deswegen erzähle ich euch diese Geschichte: Gott ist sooo groß! Er ist so viel größer, er passt einfach nicht in unser Kopf rein! Auch wenn ich Gott schon jahrelang kenne, lerne ich immer wieder Neues über ihn. Weil er so groß ist, dass ich immer nur ein kleines bisschen von ihm verstehen kann.

(Nach 2. Mose 2-3)


Zu durchwühlendes

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