Archive for the 'Theologie zum Anfassen' Category

Wo kann ich mir Weisheit kaufen?

Einkaufswagen

Eines Tages ging Max Müller in einen Supermarkt und fragte:

* Ich würde gerne ein Kilogramm Weisheit kaufen. Wo finde ich sie?
– Ein Kilogramm? Das ist aber ziemlich viel. Mal sehen … Sie sind sicher, dass es Weisheit ist, was sie brauchen? Also ich würde ihnen hier diese Schokolade empfehlen, „Ewiges Glück“. Oder hier, ein Kalender: „In 10 Schritten zum Erfolg“. Wir hätten auch „Zeitsparer“, die sind in der Drogerieabteilung. Mögen Sie Tee? Dann ist „Ausgeglichenheit“ etwas für Sie. Außerdem, da hinten im Regal gibt es „Wissen“ in 10-Kilo-Säcken … Oder was halten Sie davon: „Reichtum“, das ist sogar gerade im Sonderangebot.
* Das klingt alles nicht schlecht, vielleicht nehm ich sogar ein bisschen davon, aber … wissen Sie, Weisheit, so echte Weisheit schmeckt einfach nochmal viel besser.
– Sie wollen also wirklich Weisheit? Hm … nein, die führen wir hier nicht. Fragen Sie doch mal drüben beim Gartenbau nach.

Und so ging er in den Gartenbaumarkt gegenüber und fragte wieder:

* Ich würde gerne ein Kilogramm Weisheit kaufen. Wo finde ich sie?
– Ein Kilogramm? Nein, das gibt es hier nicht. Weisheit muss man schon selbst ernten.
* Okay, haben Sie denn Pflanzen, bei denen ich Weisheit ernten kann?
– Sie tun so als wäre Weisheit wie Salat oder so … Nein. Weisheit können wir Ihnen nur in Samenform geben.
* (schluckt) Samen? Aber … das dauert ja dann total lange bis ich sie ernten kann!
(Grinst) Genau …
* (Max Müller schluckte noch einmal) Okay … dann hätte ich gerne ein Kit „Weisheit für Anfänger“.
– Kommen Sie mit … Hier, eine Tüte Weisheits-Samen. Die stecken Sie bei Ihnen in den Garten. Und dann täglich gießen.
* Und woran sehe ich, dass sie fertig sind? Wie sieht die Frucht aus?
– Ich denke, sie werden es dann schon spüren, dass es reif ist. Das ist das Besondere an Weisheit: das Aussehen der Früchte ist immer wieder anders, obwohl der Geschmack bleibt. Pflanzen Sie die Samen einfach ein, tun Sie was auf der Tüte steht, und mit viel Geduld …
* (Überfliegt die Anleitung) Aber, wo genau soll ich sie denn in den Garten einpflanzen? Sonne oder Schatten? Und wie viele Samen pro Quadrat-Zentimeter? Und …
– Das sind alles Fragen, die müssen Sie direkt an den Gärtner stellen. Wir können hier leider keine Individual-Beratung anbieten. Der Gärtner, von dem wir die Samen bekommen haben, wohnt direkt hier in der Straße, 2 Häuser weiter. Klingeln Sie da einfach mal …

Daraufhin verschwand der Verkäufer einfach, und Max Müller war wieder sich selbst überlassen. Er hatte zwar die Samen, aber immer noch keine Ahnung, was er mit ihnen machen sollte. Also folgte er zögerlich dem Rat des Verkäufers und klingelte beim Gärtner:

* Guten Tag … ähm … können Sie mir helfen, diese Weisheits-Samen zu pflanzen? Was muss ich dafür wissen?
– Wie schön, dass Sie gekommen sind! Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten? (Da blieb Max Müller der Mund offen. Und so redete der Gärtner einfach weiter:) Wirklich schön, dass Sie da sind. So viele versuchen es einfach so, dabei bin ich immer bereit, dem Antworten zu geben, der mich frägt. Am Besten, ich komme gleich mal mit zu Ihnen nach Hause, dann können wir uns das in Ruhe ansehen.
* Und … was kostet … dieser Service?
– Nichts. Jedenfalls kein Geld.
* Sondern?
– Naja, ich würde es nicht Preis nennen, aber wissen Sie, das Gärtnern macht irgendwie … süchtig. Ich liebe meinen Beruf, und wer auch immer Zeit mit mir verbringt, wird über kurz oder lang von dieser Leidenschaft angesteckt. Sie haben eine gute Entscheidung getroffen, als Sie nach Weisheit gefragt haben. Aber ich vermute, Sie merken schon – das war nur der erste Schritt … Ich kann Ihnen nicht einmal ansatzweise erläutern, welcher Weg noch vor Ihnen liegt. Einer Sache hingegen bin ich mir sicher: es lohnt sich. (Der Gärtner schaute Max Müller tief in die Augen.) Können Sie mir jetzt zeigen, wo Sie wohnen?

„He, ihr Durstigen alle,
kommt her zum Wasser!
Kommt her, auch wenn ihr kein Geld habt!
Kauft und esst!
Ja, kommt, kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch!
Es kostet nichts.“ (Jesaja 55,1)

(Photo von @elusive, Creative Commons BY-NC)

Kind sein erlaubt!

Kind auf Schaukel

„Papa, fang mich!“

Kinder haben eine erstaunliche Zuversicht. Ein naives Vertrauen: Papa ist für mich da. Wenn ich mir weh tue, tröstet er mich. Wenn ich keine Lösung habe, hilft er mir. Wenn ich mich selbst nicht verstehe: er versteht mich.

Und eine solche Beziehung will ich auch mit meinem Papa im Himmel haben. Natürlich wird die Naivität immer wieder erschüttert. Aber das Vertrauen bleibt: Egal was kommt, Gott ist für mich da.

Das ist das Evangelium: Wir dürfen Kinder sein. Einfach so. Papa kriegt das schon hin.

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There is a light that shines within me
There is a hope that burns inside me
Deep within my soul, my very existence, there is a being waiting to be freed:
A child who knows no fear, pain, or rejection

There is an emotion all-encompassing of excitement, enjoyfulness, gladness and love
The creative potential of laughter / and the undeniable power of an infant’s joy live inside me
Unmeasurable are my limits / for I call you Father
Unimaginable is my potential / for you have called me Son

There is someone inside me, waiting to be unleashed,
Whom you embrace, whom I long to be.

There is an all-consuming fire,
A light that permeates from my very being
You have unlocked me God
The doors you open no man can shut

I will praise you, God, for you are good
You have released me, God, with your love
You are everything

(Ian McIntosh, Album: Awakened, Adoration)

Da ist ein Licht, das in mir scheint
Da ist eine Hoffnung, die in mir brennt
Tief in meiner Seele, meiner Existenz, wartet ein Wesen darauf, befreit zu werden:
Ein Kind, das Angst, Schmerz oder Ablehnung nicht kennt

Da ist ein all-umspannendes Gefühl von Begeisterung, Genießen, Freude und Liebe
Das kreative Potential von Lachen / und die unbestreitbare Kraft von kindlicher Freude leben in mir
Unermesslich sind meine Grenzen / denn ich nenne dich Vater
Unvorstellbar ist mein Potential / denn du hast mich Sohn genannt

Da ist jemand in mir drin, das darauf wartet, entfesselt zu werden,
Jemand, den du umarmst; jemand, der ich so gerne sein möchte.

Da ist ein alles verzehrende Feuer,
Ein Licht das von meinem Inneren nach Außen strahlt
Du hast mich aufgesperrt,
Die Türen, die du öffnest, kann kein Mensch schließen

Ich preise dich, Gott, denn du bist gut
Du hast mich freigesetzt, Gott, mit deiner Liebe
Du bist Alles.

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Empfehlenswerte Bücher:

  • Mike Mason, The Mystery of Children (Leseprobe) – Mason erzählt viele Stories von seinen Kindern und was er daraus über Gott und Glauben lernen konnte.
  • Brennan Manning, Abba’s Child (dt. Kind in seinen Armen) – Manning veranschaulicht, was es bedeutet, aus dieser Identität als Kind Gottes heraus zu leben.

Photo von Nabok, CC BY-NC-SA

Das zerbrochene Gefäß

Kintugi - Zerbrochenes wurde wieder heil

Zerbrochen.
Zersplittert in Tausend Einzelteile.
Das lebendige Nass versickert, nur kleine Reste bleiben auf den Scherben und warten darauf, von der Sonne aufgeleckt zu werden.
Warum? Wie kam es dazu? Wie kann es sein, meine Berufung ist doch, Dinge in mich aufzunehmen und an andere zu verteilen? Wie soll das gehen?
Es tut so weh.

Warten.
Man sagt, Gott kommt niemals zu spät. Das mag sein. Wo ist er denn jetzt?
Hätte er das nicht alles verhindern können?
Man sagt, er ist gut, er weiß schon was er tut. Das mag sein. Aber ich sehe keine Güte.
Gott, kannst du nicht Strg+Z drücken?
Es ist, wie es ist.

Erwarten.
In mir keimt Hoffnung.
Gott hat versprochen, immer bei mir zu sein. Er hat versprochen, für mich zu kämpfen.
Ich sehe nichts davon, aber er ist da.
Vielleicht ist es das, was ich lernen soll?

Aufatmen.
Der Schmerz lässt nach.
Ohne dass ich es bemerkt hätte, ist einiges wieder zusammengewachsen, was zusammen gehört.
Als hätte ein Töpfer tatsächlich die Scherben wie Puzzle-Teile wieder zusammengefügt.
Und wenn ich es berühre, merke ich: es hält.
Sogar besser als vorher.
Aber: die Verheißung steht noch aus.

Wie oft bin ich diesen Prozess gegangen.
Wie oft ist Gott mit mir diesen Prozess gegangen.
Ist er schön? Nein. Er ist anstrengend.
Aber vielleicht ist er lebens-notwendig.
Ohne Schmerzen gibt es kein Wachstum.

Meine Narben erzählen von deiner Güte.

“To love at all is to be vulnerable. Love anything and your heart will be wrung and possibly broken. If you want to make sure of keeping it intact you must give it to no one, not even an animal. Wrap it carefully round with hobbies and little luxuries; avoid all entanglements. Lock it up safe in the casket or coffin of your selfishness. But in that casket, safe, dark, motionless, airless, it will change. It will not be broken; it will become unbreakable, impenetrable, irredeemable. To love is to be vulnerable.
― C.S. Lewis: The Four Loves (dt. Was man Liebe nennt)

Lieben – egal auf welche Art – heißt verletzlich sein. Liebe irgend etwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, daß deinem Herzen nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen; verschließe es sicher im Schrein oder Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein – sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich. Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar. Lieben heißt verletzlich sein.

(Photo: Kintugi von Haragayato CC BY-SA 4.0 )

Gottes Liebe ist in 3D

Diagramm: Gottes Liebe ist in 3D

Was war Jesu Botschaft? Wozu hat er diese Jahre auf der Erde verbracht, was war ihm wichtig? Meine Antwort darauf: „Gott liebt dich.“ Wer versteht, dass er geliebt ist, kann ein ganz neues Leben leben.

Diese Liebe hat 3 Dimensionen. Man kann diese Dimensionen nicht voneinander trennen – sie gehören zusammen. Das sagt Johannes in seinem Brief immer wieder auf verschiedene Weisen …

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MP3-Download

Text der Predigt: 1. Johannes 4,7 – 5,4

Vergeben?! Will ich das wirklich?!

herzManchmal höre ich, „Nein, ich habe ihm/ihr/ihnen noch nicht vergeben …“ Ich fühle den Schmerz dahinter… und nachdem ich ausgiebig zugehört habe, erzähle ich vorsichtig, warum ich Vergebung so wichtig finde.

Vergebung ist oft ein Prozess. Gerade wenn die Verletzung tief war, wird es auch eine Weile dauern, bis sie wieder heil ist. Das Wichtige dabei ist, dass dieser Heilungsprozess nicht aufhört.

Der Heilungsprozess wird verlangsamt oder sogar abgebrochen:

a) Wenn du entscheidest, es ist doch nicht so schlimm, ich will es einfach vergessen. Damit kehrst du die Wunde unter den Teppich, und dort kann sie „schön“ vor sich hin eitern und bricht irgendwann umso stärker aus.

b) Wenn du entscheidest, es ist so schlimm, ich werde niemals vergeben. Das ist so, als würdest du jeden Tag neu den Schorf deiner Wunde aufkratzen, weil du den Schmerz als Erinnerung brauchst. Ja, es tut weh. Ja, du wirst daraus etwas lernen, „Konsequenzen ziehen“. Aber später. Erst einmal, renn zu Jesus und lass dich von ihm trösten.

Denn weißt du, die Gefahr ist folgende: Wenn die Wunde nicht ausheilt, ist sie Jahre später immer noch da. Und sobald dich irgendetwas an die Situation erinnert, in der du verletzt worden bist, wirst du merken, dass sie noch nicht verheilt ist – ein Beobachter würde sagen: diese Reaktion war aber jetzt unverhältnismäßig. Das stimmt – gemessen an der äußeren Situation. Aber gemessen an der inneren Situation ist die Reaktion völlig angemessen. Solange eine Schnittwunde noch nicht ausgeheilt ist, ist für die Haut an dieser Stelle jede Berührung sofort eine Bedrohung – es tut weh. So geht es auch unserem Herzen: es spannt einen Sicherheits-Abstand um den Bereich, der verwundet ist, und bestraft alle, die versuchen, diesen Bereich zu betreten. Wenn du viele solche „Zutritt verboten“-Zonen hast, könnte es für deine Mitmenschen ziemlich anstrengend werden – und für dich ziemlich einsam.

Aber da gibt es eine riesige Chance: Wenn die Wunde verheilt, erlebst du Freiheit. Dann kann das Leben wieder aufblühen.

Darum mache ich dir Mut, diesen Prozess der Vergebung zu gehen. Er ist wie ein Wanderweg: immer einen Schritt nach dem anderen. Manchmal werden schmerzhafte Erinnerungen hochkommen. Dann schau sie dir an und renn damit zu Jesus. Erklär ihm deinen Schmerz, und dann warte auf seine Antwort. Er weiß, was Schmerzen sind. Er weiß, wie man mit ihnen umgehen kann, und trotzdem den Willen Gottes tun kann. Und dann: Lass los.

Und manchmal kommt dann gleich die nächste Erinnerung, und du fragst dich: Hört das denn nie auf? Geht es jetzt alles von vorne los? Hinschauen, mit Jesus verarbeiten, loslassen, … schon wieder? Ja und Nein. Ja, immer wieder, du wirst viel Zeit haben, genau das zu üben. Nein, mit der Zeit werden die Schmerzen weniger. Eigentlich ist es auch gut, dass der Schmerz portionsweise kommt – so kannst du ihn aushalten und verarbeiten.

Und manchmal ruht diese Baustelle eine Weile. Das ist auch ok. Gott hat den Sabbat geschaffen, und drückt damit aus: Dein Leben hängt nicht von deiner Arbeit ab. Ruhe einfach in meiner Liebe. Er wird dich dann schon anstubsen, wenn es weiter geht.

Aber eines Tages wirst du zurückblicken und aufatmen: Jetzt ist es vollbracht. Ich habe vergeben. Und weißt du, es wird dann nicht so sein, wie es vor der Verletzung war. Sondern viel, viel besser. Gerade der Lebensbereich, der durch Verletzung und Heilung gegangen ist, kann oft erstaunlich fruchtbar werden: Dann kann deine Freude auch dort wieder sprudeln. Und dann kannst du den Trost, den du für dich angenommen hast, an andere weitergeben (2. Korinther 1,4).

Gott hat bereits vergeben. Und geduldig hilft er dir dabei, loszulassen. Gib die Hoffnung nicht auf: eines Tages wirst du frei sein.

Dietrich Bonhoeffer: Wer bin ich?

gefaengnisDietrich Bonhoeffer schreibt im Gefängnis:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

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„Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ (Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung)

(Photo von Laura – CC BY-NC-SA)

Heiligkeit in Kindersprache erklärt: Gott ist größer, als es in mein Kopf passt

Kennt ihr die Geschichte von Mose? Mose war ein Prinz in Ägypten. Dabei war er gar nicht Ägypter, sondern Israelit. Das war zu der Zeit, als alle Isrealiten für den Pharao arbeiten mussten.

Mose ist vom Königspalast weggelaufen und wohnt jetzt im Ausland. Da ist es ganz trocken, fast schon eine Wüste. Er hat da sein ganz normales Leben: er hat geheiratet, hat Kinder, und ist Hirte. Jeder Tag sieht gleich aus: er steht auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall, wandert mit ihnen zu einem Ort, wo es ein bisschen Gras gibt, wartet auf die Schafe … Und er überlegt: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert.“ Und die Schafe haben gefressen und er geht mit ihnen weiter zu einem Brunnen, gibt ihnen etwas zu trinken, und wartet wieder: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert. Ich weiß, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ (Manchmal haben wir auch das Gefühl: ich kenne diese Geschichten doch schon. Ich weiß das doch schon alles. Ging es euch schon mal so?) Und so wurde Mose ziemlich alt. Aber eines Tages passierte etwas ganz Besonderes:

Wieder steht er auf, betet zu Gott, holt die Schafe aus dem Stall und führt sie zu einer Stelle, wo es noch Gras gibt. Als er in die Ferne sieht, sieht er ein Feuer, und denkt sich nichts besonderes: vielleicht macht da jemand ein Lagerfeuer oder so. Er geht mit den Schafen weiter zu dem Brunnen, gibt ihnen zu trinken, und wartet wieder … Und wieder denkt er: „Es ist jeden Tag das Gleiche. Ich weiß, wie das Leben funktioniert, wer Gott ist, und was ich tun muss.“ Er erinnert sich an das Feuer und schaut nochmal in diese Richtung, und sieht: hm, das ist ja gar kein Lagerfeuer, das ist einfach ein Busch, der brennt. Naja, kann passieren, es ist ja ziemlich heiß hier, das war bestimmt die Sonne. Und er bricht auf und nimmt die Schafe mit. Aber dann fällt ihm ein: Moment, das ist ja schon ein paar Stunden her, wo ich den Busch das erste Mal gesehen habe! Und er schaut nochmal genau hin, und stellt fest: der brennt zwar, aber das Feuer wird gar nicht kleiner! Das verbrennt ja gar nicht, das ist ja komisch!

Jetzt ist er neugierig, lässt die Schafe stehen und geht zu dem Busch. Als er schon fast da ist, hört er plötzlich eine Stimme die aus dem Busch kommt: „Moses, Moses!“ – (Stirnrunzeln) „Ja, hier bin ich?“ – „Moses, geh keinen Schritt weiter, und zieh deine Schuhe aus! Denn der Ort, auf dem du stehst, ist ein heiliger Ort, ein Ort, der zu mir gehört!“ Der Busch redet?! Er zieht seine Schuhe aus. Und dann hört er etwas ganz Krasses: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“ Das ist Gott! So hat er sich Gott aber nicht vorgestellt! Und dieser Tag hat sein Leben ziemlich verändert.

Und deswegen erzähle ich euch diese Geschichte: Gott ist sooo groß! Er ist so viel größer, er passt einfach nicht in unser Kopf rein! Auch wenn ich Gott schon jahrelang kenne, lerne ich immer wieder Neues über ihn. Weil er so groß ist, dass ich immer nur ein kleines bisschen von ihm verstehen kann.

(Nach 2. Mose 2-3)


Zu durchwühlendes

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