Das erste Abendmahl

Es war der Tag des Passahfestes. Jesus ging zu zwei von seinen Jüngern und sagte: „Organisiert uns einen Raum, damit wir heute abend zusammen das Fest feiern können.“ Wir beide waren erstaunt. „Jesus … also, ich meine, wenn du es bist … aber normalerweise feiert man das doch mit seiner Familie. Ich freu mich schon auf meine Vater, meine Mutter, meine Großeltern, meine Onkeln und Tanten, alle sind nach Jerusalem gekommen, damit wir zusammen feiern können.“ Jesus erwiderte nichts. Er sah uns nur weiter erwartungsvoll an. „Also gut. Aber Jesus, ist es jetzt nicht ein bisschen spät? Die Stadt ist proppevoll, ganz Israel ist hier, wo sollen wir da jetzt noch ein Saal herbekommen?“ Und Jesus antwortete: „Es ist alles vorbereitet. Geht einfach in die Stadt, und haltet Ausschau nach einem Mann, der einen Wasserkrug nach Hause bringt.“ Wir runzelten die Stirn: ein Mann trägt Wasser? Na gut, das ist wenigstens ein eindeutiges Zeichen. „Wenn ihr ihn seht, dann fragt ihn einfach: ‚Jesus schickt uns. Kannst du uns sagen, wo der Raum ist, wo wir heute Passah feiern können?‘ Und er wird euch eine Dachgeschoss-Wohnung zeigen, wo es genug Sitzmöglichkeiten für alle gibt.“ Das klingt ja so, als hätte Jesus das schon abgesprochen. „Aber, Jesus, Moment mal … hast du auch an das Lamm gedacht?“ Und wieder antwortete Jesus, „Es ist alles vorbereitet. Das Lamm … bringe ich mit.“ Ein Schmerz huschte über sein Gesicht. Jesus benimmt sich so seltsam die letzten Tage, so kennen wir ihn gar nicht … Auf geht’s.

Alles ist so passiert, wie er es gesagt hat. Der komplette Raum war schon gestellt! Sogar die Teller, das Brot, den Kelch, alles war schon da. Wir mussten nur noch zurück gehen und den anderen Jüngern Bescheid sagen.

Und so saßen wir da, es wirkte so unreal. Natürlich, wir sind jetzt auch so etwas wie Familie, aber trotzdem … Tradition ist Tradition. So wurde es uns von den Vätern gesagt. Apropos, wo ist denn nun das Lamm? Müssen wir nicht noch ein Feuer machen, um es zu rösten? Oh nein, Jesus hat es doch nicht vergessen?! Er beruhigte uns: „Alles ist so, wie es sein soll. Mein Auftrag an euch war doch nur, den Raum zu organisieren – um den Rest kümmere ich mich, keine Sorge.“ Schon wieder dieses „Vertrau mir einfach“. Lernen wir es nie?

Das Passah-Fest fing an. Ein Passah-Fest wie jedes andere, gut, bei den Stellen, wo die Kinder etwas fragen, mussten wir etwas improvisieren, aber ich denke das ist schon noch vertretbar. Nur beim Brot und Wein sagte Jesus die falschen Worte. Was soll das heißen, „Das ist mein Leib.“? Jesus erklärte: „So wie das Brot gebrochen wird, werde ich gebrochen.“ Na toll, er spricht wieder in Rätseln. Und dann, „Das ist mein Blut des Bundes.“? Wir sind doch keine Kannibalen! Blut – Bund – … das Lamm! Ich flüsterte Johannes zu: „Er meint doch nicht etwa, dass er das Lamm ist, das geschlachtet wird?“ Johannes wandte einen fragenden Blick an Jesus. Und wieder fügte er ein paar erklärende Worte hinzu: „Das ist der Anfang des neuen Bundes, den Gott mit den Menschen schließen will. Ich werde sterben, aber nach drei Tagen werdet ihr sehen, dass der Tod nicht das letzte Wort behalten hat.“ Mal wieder sprengte Jesus unsere Konzepte, aber sowas von. Aber das Schlimmste: er wird sterben? jetzt? Ich konnte mich nicht mehr beherrschen: „Jesus, du hast doch gesagt, dass das Reich Gottes kommt. Wo ist es denn jetzt? Ich dachte, du bist jetzt als König nach Jerusalem eingezogen, und jetzt geht es so richtig los.“ Und Jesus lächelte: „Hab ich euch nicht gesagt, das Reich Gottes ist wie ein Same?“ Oh nein, er wird wirklich sterben. Tränen kamen mir in die Augen. Er fuhr fort: „Seid nicht traurig. Es ist gut, dass ich gehe! Ich werde hingehen und eine Wohnung vorbereiten für euch, und eines Tages werden wir uns alle wiedersehen. Nein, ihr könnt nicht mitkommen. Aber“, er hob den Kelch hoch, „so sicher, wie ein Bräutigam seine Verlobte eines Tages zu sich holen wird, so sicher könnt ihr euch sein: ich werde diesen Bund erfüllen. Ihr gehört zu mir.“ – „Aber, wenn du weg bist, …“ Thomas sprach den Satz nicht zu Ende. „Habt keine Angst, ich lasse euch nicht alleine. Wenn ich weg bin, sende ich euch meinen Stellvertreter, den Heiligen Geist. Er wird euch alles lehren, was ihr braucht. Er wird euch trösten. Und er wird es möglich machen, dass die gute Botschaft an alle Enden der Welt getragen wird.“

Und wieder geschah es so, wie Jesus es gesagt hatte. Noch in derselben Nacht wurde er gefangen genommen, gefoltert, ausgelacht, und am nächsten Tag getötet. Es war grässlich. Obwohl Jesus uns vorgewarnt hatte, waren wir total neben der Kappe. Unser ganzes Leben war auf Jesus ausgerichtet, und jetzt war er weg! Wo sind jetzt alle seine Verheißungen? Vielleicht sollten wir wieder zurück zu unseren Fischnetzen. Aber plötzlich sahen wir Jesus wieder, wenn auch nur kurz. Er trug uns auf, in Jerusalem zu warten, bis der Heilige Geist kommt. Einer nach dem anderen reiste ab, aber wir blieben. Und warteten. Nichts passierte. Wieder hat Jesus nur das Minimum erklärt, wir hatten doch noch so viele Fragen. Vor allem stellten wir uns immer mehr die Frage: „Woher wissen wir, dass der Heilige Geist gekommen ist? Vielleicht haben wir ihn ja verpasst?“ Aber wenn wir damit ins Gebet gingen, bekamen wir wieder neuen Frieden. Und schließlich passierte es, der Heilige Geist kam. Aber das ist eine andere Story …

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