Gnade?!

(Ein anonymer Brief an Paulus.)

Lieber Paulus.

Deine Worte sind ja schon ziemlich krass. Willst du wirklich sagen, dass wir Menschen tot sind, obwohl wir doch leben? Naja, vielleicht meinst du das nur metaphorisch. Aber deine Begründung macht es nicht besser. Tot, weil … wir den Trends dieser Welt nachlaufen. Tot, weil … wir nur nach dem eigenen Glück streben, selbst wenn wir manchmal das Gegenteil behaupten. Tot, weil … wir gegen den Gott rebellieren, der uns geschaffen hat. Hoppla, geschaffen? Gut, damals gab es noch kein Darwin – aber vielleicht hättest du es trotzdem nicht anders formuliert. Aber kannst du nicht wenigstens statt „tot“ sagen, dass solch ein Leben „sinnlos“ ist, oder vielleicht „fehlgerichtet“, oder, was hältst du davon: wir verhalten uns wie „unerzogene Kinder“? Diese Kritik könnte ich wenigstens noch nachvollziehen.

Deine nächsten Sätze klingen noch arroganter. Nicht nur, dass du alle Menschen in denselben Topf wirfst, du nimmst dich auch noch selbst aus. Du wurdest ja „lebendig gemacht“. Das kann jeder sagen. Ist ja schön für dich, dass dein Glaube dein Leben verändert hat. Vielleicht sogar so sehr verändert, dass dir dein altes Leben „tot“ erscheint. Aber du merkst schon, dass du damit Tausende andere Menschen diskriminierst?!

Und jetzt kommt der Oberhammer. Als Begründung gibst du an – nichts. Du hast nicht die Relativitätstheorie erfunden, das Hunger-Problem gelöst oder eine Strategie gefunden, wie man erfolgreich gegen Krankheit und Tod kämpft. Laber du nur von Liebe, von Reichtum, von Güte, laber nur von deinem Gott der das angeblich alles zustande gebracht haben soll. Das ist doch alles nur Projektion.

Pff! Gnade! Von nichts kommt nichts. Gnade, das würde ja heißen, dass Gott mich beschenken will – obwohl ich ihn jeden Tag aufs Neue beleidige. Dass Gott wohlwollend über mich denkt – obwohl er meine Schattenseite ganz genau kennt. Dass Gott mein Leben zu einem guten Ziel führen will – obwohl ich mich immer wieder weigere.

Gnade, das wäre ein Vater, der über mir weint, als wäre ich sein einziges Kind, das von ihm weggelaufen ist. Gnade, das wäre ein Vater, der nach stundenlangem Streit einfach mit offenen Armen Versöhnung anbietet. Der sich darum kümmert, dass am Ende wirklich alles gut wird.

Das wäre zu gut, um wahr zu sein. Oder?

(Epheser 2, 1–10)

(Material für einen Hauskreis: Alles Gnade?!)

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