Karsamstag: Was nun?

Sie hatten sich im Hause des Johannes versammelt.
– „Und, was machen wir jetzt?“
– „Nichts. Heute ist Sabbath. Es ist so ruhig heute. Gestern, das war aufregend … die dunklen Wolken … das Gerücht mit dem Vorhang … und Jesus, willenlos, wie ein Lamm. Und doch, selbst als er da hing, hatte er anderen noch von seinem himmlischen Vater erzählt. … Seine Augen! So viel Schmerz, so viel Trauer…“
– „Hör auf damit. Das ist jetzt vorbei. Jesus ist tot, kapierst du’s nicht?! Wir sind ihm 3 Jahre lang hinterher gelaufen, und was hat’s gebracht? Nichts.“
– „Es waren schöne drei Jahre.“
– „Das schon, aber sie waren trotzdem vergeudet. All die schönen Lehren und Heilungen haben es nicht verhindern können, dass die Pharisäer und Römer sich gegen ihn verbündet haben. Die Römer! Die Römer sind immer noch da, mächtiger denn je. Wenn selbst Jesus da nichts machen konnte, ist alles umsonst.“
– „Leute, es ist heute Sabbath. Ausruhen. Ruhe tanken. So ein bisschen Besinnung kann uns gerade nicht schaden, oder?“
– „Ja, vielleicht sollten wir gerade jetzt die jüdischen Traditionen wieder ernster nehmen. ‚Der Sabbath ist für den Menschen da‘, das ist zwar interessant und neu und überhaupt, aber … ohne Jesus … fühlt sich das alles so leer an.“

– „Ihr lenkt alle ab. Hallo, ich habe eine Frage gestellt! Was sollen wir jetzt machen?“
Petrus schlägt vor: „Vielleicht … sollten wir wieder fischen gehen, so wie früher. Unsere Kumpels leihen uns sicher mal ihre Ausrüstung …“
Die anderen Jünger nicken leicht, aber sehen weiterhin recht ratlos aus.
– „Eine bessere Idee habe ich gerade auch nicht.“
– „Hm. Eigentlich sollten wir als seine Jünger doch jetzt weiter ziehen, um seine Lehre zu verbreiten! Irgendwann hätte er doch sowieso sterben müssen, und dann hätte er uns diese Aufgabe sicherlich übertragen.“
– „Bist du verrückt? Nach allem, was passiert ist? Außerdem … Ich würde mich wie ein Lügner fühlen. Ich kann nicht von etwas erzählen, was ich selbst nicht glaube. Ich bin auch davon gelaufen, ich konnte es einfach nicht aushalten: Jesus, gefangen von den Soldaten, verurteilt, zum Tode. Wieso nannte er uns nur Freunde! Nein, ich kann das einfach nicht.“
– „Was soll ich dann erst sagen. Ich dachte, ich bin doch so mutig … Pustekuchen. Es war so wie er es sagte: bevor der Hahn dreimal krähte…“
– „Jetzt fang‘ nicht damit schon wieder an! Wer weiß, vielleicht war das einfach alles nur Zufall.“
– „Zufall? Und dass Jesus mich dabei anschaute, war etwa auch Zufall? Er konnte in mich hineinsehen, in mir war nur Verrat und … Feigheit.“
– „Also eins versteh ich nicht.“
– „Du Glücklicher, nur eines …“
– „Ja. Wenn Gott Jesus auf die Erde geschickt hat, und das so endet – hat er dann einen Fehler gemacht?“
Ein Schweigen legte sich auf die Jünger. Schließlich fährt Johannes fort:
– „Ich meine, ich kann mir das einfach nicht vorstellen. Verstehen tu ich das auch nicht, aber hatte unser Herr jemals etwas gemacht, was er uns nicht hinterher als genau das Richtige zur richtigen Zeit erklärt hat?“
– „Du meinst also, er sei freiwillig gestorben.“
– „Vielleicht.“
– „Du bist verrückt.“
– „Vielleicht.“
Jetzt sahen sie noch verwunderter drein.

Plötzlich wurde die Tür aufgeschlagen, und Maria kam hereingestürmt: „Was ist denn hier los? Leute, er lebt!“
– „Wer?“
– „Na wer wohl …“

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