Geld – Geiz – Gier – Gebirge

Eine Truppe von Arbeitern ist unterwegs in den Bergen, um Seilbahnen zu bauen. Aber nach und nach wurde die Atmosphäre unter uns unerträglich: das Geld in unseren Hosentaschen wurde zu schwer, denn unser Herz hing daran. Eifersüchtig schauten wir auf das Geld des anderen. Wir stritten uns, und schließlich schlossen wir uns zusammen, um den Chef zu stürzen.

Wir stiegen auf einen Berg, um ihn in eine Falle zu locken. Doch der Weg war lang, und erschöpft machten wir Pause. Als der Chef die Kasse rausholte, dachten wir: „aah, es gibt wieder Gehalt.“ Aber er tat es nicht. Er sagte: „Jeder zahlt zwei Euro, oder er geht.“ Wie bitte, zahlen? Hast du dich da nicht versprochen oder so? Aber er blieb hartnäckig, und zähneknirschend taten wir jeder seinen Teil in die Kasse.

Wir stiegen weiter hinauf, und wieder machten wir Pause, und wieder will er zwei Euro von jedem. Was wird er bloß mit diesem Geld machen? Ist das nicht unfair? Und wir kletterten weiter den steilen Berg hinauf, und immer wieder zahlten wir die unumgänglichen zwei Euro. Und unsere Herzen wurden leichter, denn es war unser Chef, der sie trug, die Kasse; wir mussten nur noch den Rest unseres Körpers hochschleppen.

Wir kamen an eine Lichtung. Ein wunderbarer Ausblick, und da! ein 200 Meter tiefer Abgrund. Und wir lächelten, und wir staunten, und der Chef stand auf, mit unserem Geld. Und unser Plan, ihn den Berg herunterzustoßen, war jetzt weit weg, jetzt, wo sich die Gelegenheit dazu böte. Jetzt, wo er doch geradewegs auf den Abhang zugeht … Stopp, er geht auf den Abhang zu, mit meinem Geld? Nicht dafür habe ich es in die Kasse gezahlt, dass

Und er tat es. Er warf die Dose, und unsere Herzen standen still. Die unsichtbaren Fäden des Geldes zogen uns hinterher … aber wir blieben stehen. Einen Moment war da ein Funken Vertrauen in unseren Chef, und der unsichtbare Faden riss einen Teil unseres Herzens heraus. Blutend setzten wir uns hin, uns war schwindelig. Ein Jahresgehalt war da den Bach heruntergegangen! Hatten wir uns nicht deswegen hier gemeldet, um Geld verdienen zu können?

Der Chef setzt sich zu uns, ernst. Er sagte: „An wem euer Herz hängt, dem gebt ihr die Kontrolle über euer Leben. Ihr wolltet Geld verdienen, um unabhängig zu sein? Nun, das Geld hat euch abhängig gemacht. Ich habe das Geld getötet, damit es nicht euch tötet. Meine Freunde, …“

Und Tränen springen aus seinen Augen, und er spricht nicht weiter. Und Philipp stand auf, ging zu ihm hin, umarmte ihn, flüsterte: „Danke.“ Und als Philipp sich wieder setzte, haftete unser Blick an ihm, voller Bewunderung und … Dankbarkeit. Ja, wir waren ihm dankbar, dass er ausgedrückt hatte, was unsere heilenden Herzen fühlten. Und wir standen auf, wir alle, und gingen zum Chef; und weil wir ihn nicht alle gleichzeitig umarmen konnten, hoben wir ihn hoch: unsere Arme bildeten seinen Thron.

Und gemeinsam stiegen wir den Berg hinunter, und gemeinsam bewunderten wir die Schönheit der Landschaft, den fast verblühten Mohn, den spiegelglatten Gebirgssee. Wir waren wieder Freunde …

1 Response to “Geld – Geiz – Gier – Gebirge”


  1. 1 Benjamin Pick Sonntag, 13. Januar 2008 um 21:04

    Mich lehrt diese Geschichte:
    * Es gibt auch heute noch Helden
    * Diese Heldentaten können der heutigen Gesellschaft wichtige Kurskorrekturen geben


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